Weihnachtsbaum

Wer die Weihnachtsgeschichte kennt, also die Geburt Jesu in Bethlehem, die Hirten auf dem Feld, die Weisen aus dem Morgenland, der muss zugeben: Ein geschmückter Nadelbaum im Wohnzimmer hat damit direkt nichts zu tun. Maria und Josef suchten keinen Baum. In den Evangelien steht kein Wort davon. Und dennoch stellen Millionen von Menschen in Deutschland und weltweit jedes Jahr zur Weihnachtszeit einen Baum ins Haus, hängen Kugeln und Lichterketten daran und betrachten ihn als selbstverständlichen Mittelpunkt des Festes.

Wie kommt es, dass ein Brauch ohne eindeutige biblische Grundlage so tief in der Weihnachtstradition verwurzelt ist? Die Antwort liegt, wie so oft, in der langen Geschichte vorchristlicher Naturverehrung, mittelalterlicher Symbolik und einer Entwicklung, die sich über Jahrhunderte in kleinen Schritten vollzog.

Inhaltsverzeichnis

Weihnachtsbaum

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes

Die Symbolik des Baumes reicht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. In der biblischen Überlieferung taucht der "Baum des Lebens" bereits im Paradiesgarten auf. Weit über die christliche Tradition hinaus galten Bäume in nahezu allen Kulturen als Sinnbilder für Beständigkeit, Wachstum und das Leben selbst. In der germanischen Mythologie war die Weltesche Yggdrasil das kosmische Zentrum der Welt.

Immergrüne Pflanzen hatten dabei eine besondere Stellung. Dass Tanne, Fichte und Stechpalme auch im tiefsten Winter ihr Grün behielten, galt vielen vorchristlichen Völkern als Zeichen von Lebenskraft und Hoffnung. Sie wurden in Häuser gebracht, um Schutz und Wohlstand für die kalten Monate zu sichern. Diese Praxis nahm das Christentum im Laufe der Jahrhunderte auf und deutete sie im eigenen Sinne um.

Der früheste konkrete Beleg für einen Weihnachtsbaum als festliche Dekoration stammt aus dem Jahr 1521. In einem Rechnungsbuch aus Schlettstadt im Elsass wurde ein Förster mit vier Schillingen entlohnt, damit er am 21. Dezember die für das Fest bestimmten Bäume bewachte. Das Elsass und die angrenzende Schwarzwaldregion gelten aufgrund solcher und ähnlicher Aufzeichnungen als Wiege des modernen Christbaumes.

Im 16. Jahrhundert war es in Straßburg bereits üblich, Tannen zu schmücken, zunächst mit Äpfeln, Nüssen und buntem Papier. Ein Chronist notierte 1605: "Auff Weihnachten richtett man Dannenbaum zu Straßburg inn den Stuben auf, daran hencket man Rosen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Äpfel, Oblaten, Zischgold, Zucker." Diese Beschreibung klingt dem heutigen Weihnachtsbaum bereits sehr vertraut.

Wie der Brauch die Welt eroberte

Vom Elsass und dem Schwarzwald aus verbreitete sich der Christbaumbrauch zunächst langsam. Im 17. und 18. Jahrhundert war er im protestantischen Deutschland zunehmend verbreitet, blieb aber in katholischen Regionen noch lange unbekannt oder wurde skeptisch beäugt. Martin Luther soll der Legende nach der Erste gewesen sein, der Kerzen an einen Tannenbaum befestigte, um seinen Kindern den Sternenhimmel nachzuahmen. Historisch belegt ist das nicht, aber die Geschichte hält sich hartnäckig.

Den entscheidenden Schub nach außen gab das britische Königshaus. Als Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha 1840 Königin Victoria heiratete, brachte er den deutschen Weihnachtsbaumbrauch mit nach England. Eine Illustration aus dem Jahr 1848, die das königliche Paar mit seinen Kindern um einen geschmückten Tannenbaum zeigte, erschien in der Illustrated London News und verbreitete sich rasch. Was das Königshaus tat, wollte der britische Mittelstand nachmachen, und von England aus gelangte der Brauch in die britischen Kolonien und schließlich nach Nordamerika.

In den USA etablierte sich der Weihnachtsbaum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Deutsch-amerikanische Einwanderer hatten ihn bereits früher mitgebracht, aber erst mit der wachsenden Begeisterung der amerikanischen Gesellschaft wurde er zum Massenphänomen. Heute ist der Weihnachtsbaum in fast allen christlich geprägten Kulturen der Welt selbstverständlich.

Der Christbaum in der Statistik

Der Weihnachtsbaum ist in Deutschland kein Nischenphänomen. Rund 24,5 Millionen Bäume werden hierzulande jährlich zu den Festtagen aufgestellt. Das entspricht etwa einem Baum pro drei Haushalten. Besonders Familien mit Kindern halten an dem Brauch fest, während Single-Haushalte seltener einen echten Baum kaufen.

Bei der Baumart hat die Nordmanntanne seit Jahren die Nase vorn. Sie kommt auf einen Marktanteil von rund 71 Prozent. Dahinter folgt die Blaufichte mit etwa 15 Prozent, sonstige Fichten mit 7 Prozent und die Edeltanne, auch Nobilistanne genannt, mit rund 3 Prozent. Der Rest verteilt sich auf seltenere Sorten.

Deutschland ist sowohl Importeur als auch Exporteur von Weihnachtsbäumen. Der überwiegende Teil der importierten Bäume stammt aus Dänemark, das sich mit seinen großflächigen Christbaumplantagen als führender Produzent Europas etabliert hat. Deutschlands eigene Exportquote liegt bei etwa 2 Prozent des Handelsvolumens, die Hauptzielländer sind die Schweiz und Italien.

Welche Baumart passt zu dir?

Die Wahl der richtigen Baumart hängt von mehreren Faktoren ab: Nadelhaltefähigkeit, Duft, Optik und Preis. Ein kurzer Überblick über die gängigsten Sorten hilft bei der Entscheidung.

  • Nordmanntanne: Die mit Abstand beliebteste Sorte in Deutschland. Ihre Vorteile: Sie hält ihre Nadeln außergewöhnlich gut, sticht nicht beim Anfassen und hat eine gleichmäßig dichte Krone. Der Nachteil für viele: Sie duftet kaum. Wer den typischen Tannenduft liebt, wird bei der Nordmanntanne enttäuscht.

  • Blaufichte (Blautanne): Sehr nadelstabil, mit einer charakteristischen blaugrünen Färbung und einer etwas lockereren Kronenform als die Nordmanntanne. Sie verströmt einen angenehmen harzigen Duft, sticht aber bei der Arbeit am Baum etwas mehr.

  • Gemeine Fichte (Rottanne): Die klassische, günstigste Variante. Sie duftet wunderbar intensiv nach Weihnachten, verliert aber bei Wärme schnell ihre Nadeln. Wer ein kühleres Zimmer hat oder den Baum erst kurz vor Heiligabend aufstellt, kommt mit ihr gut zurecht.

  • Edeltanne (Nobilistanne): Besonders beliebt bei Menschen, die weiche Nadeln und einen angenehmen, leicht süßlichen Duft schätzen. Die Nobilistanne hält ihre Nadeln gut und hat eine dekorative, etwas breitere Wuchsform.

  • Blautanne aus eigener Zucht: In einigen Regionen werden Weihnachtsbäume auf Selbstschlagplantagen angeboten, wo man seinen Baum selbst fällen kann. Das ist ein schönes Erlebnis besonders für Familien mit Kindern und garantiert maximale Frische.

Wann und wo kauft man den besten Weihnachtsbaum?

Der Verkauf von Weihnachtsbäumen beginnt in der Regel rund vier Wochen vor dem Fest, also Anfang bis Mitte Dezember. Der ideale Kaufzeitpunkt liegt jedoch etwa zwei Wochen vor Weihnachten. Wer zu früh kauft, riskiert, dass der Baum bis Heiligabend seine Nadeln verliert. Wer zu lange wartet, findet nur noch die übrig gebliebene Auswahl, oft mit kahlen Stellen oder schiefen Stämmen.

Manche Förstereien bieten bereits im Herbst die Möglichkeit, den Lieblingsbaum auf der Plantage zu reservieren und ihn dann kurz vor Weihnachten selbst zu fällen oder fällen zu lassen. Diese Option ist etwas aufwendiger, aber für Familien mit Kindern ein echtes Erlebnis, das zum Advent dazugehören kann.

Beim Kauf lohnt sich ein kurzer Frischetest: Streiche mit den Fingern einen Ast entlang. Bei einer frisch geschlagenen Nordmanntanne bleiben kaum Nadeln hängen. Fällt dagegen beim ersten Berühren bereits eine Handvoll Nadeln, solltest du den Baum besser stehen lassen.

Aufstellen, pflegen, frisch halten

Sehr weit verbreitet ist der Brauch, den Weihnachtsbaum am Mittag des 24. Dezember aufzustellen und zu schmücken. Es gibt allerdings keinen verbindlichen Termin. Der Baum darf auch früher hergerichtet werden, wobei der erste Advent als äußerste Vorgrenze gilt, wenn man nicht riskieren möchte, dass er bis Heiligabend schon trocken ist.

Ein paar Pflegetipps verlängern die Frische des Baumes erheblich:

  • Frischen Schnitt machen: Kürze den Stamm vor dem Aufstellen um zwei bis drei Zentimeter. Das öffnet die Poren und ermöglicht es dem Baum, Wasser aufzunehmen.

  • Wasser geben: Ein guter Baumständer mit Wasserbehälter ist die wichtigste Investition für einen frischen Baum. Fülle ihn täglich auf, ein mittelgroßer Baum kann pro Tag bis zu einen halben Liter Wasser aufnehmen.

  • Nicht in der Nähe der Heizung aufstellen: Trockene Heizungsluft ist der größte Feind der Frische. Wenn möglich, stelle den Baum von der Heizquelle entfernt auf.

  • Den Baum akklimatisieren: Stelle ihn zunächst ein bis zwei Tage in einen kühlen Flur oder die Garage, bevor er ins warme Wohnzimmer kommt. Das verhindert einen zu abrupten Temperaturwechsel.

Weihnachtsbaumschmuck: Von Strohsternen bis Lametta

Was an den Weihnachtsbaum gehört, ist in deutschen Familien eine der beständigsten und manchmal auch leidenschaftlichsten Diskussionen der Adventszeit. Lametta ja oder nein? Bunte Kugeln oder einheitlich in Gold und Silber? Selbst gebastelter Schmuck oder ausgewählte Stücke aus einer Glasmanufaktur?

Historisch begann der Baumschmuck mit Essbarem. Äpfel, Nüsse, vergoldete Lebkuchen und Zuckerstangen waren die ersten Verzierungen. Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts kamen die ersten mundgeblasenen Glaskugeln aus dem thüringischen Lauscha auf den Markt, die bis dahin kostspieligen Silberkugeln ersetzten und für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich machten. Lauscha gilt bis heute als Wiege des modernen Weihnachtsschmucks aus Glas.

Das berüchtigte Lametta aus Aluminiumfolie wurde ursprünglich aus echtem Silber hergestellt und sollte das Funkeln von Eiszapfen oder Kerzenlicht imitieren. Ob man es mag oder nicht, ist Geschmackssache. Was objektiv stimmt: Einzeln aufgehängte Lamettasträhnen sehen besser aus als in Büscheln hingeworfene. Und wer Lametta komplett weglässt, verzichtet auf historischen Ballast, nicht auf Weihnachten.

Echte Kerzen am Baum: Sicherheit und Atmosphäre

Kein Licht am Weihnachtsbaum kommt an die Wärme und Lebendigkeit echter Kerzen heran. Gleichzeitig sind sie die häufigste Ursache für Brände in der Weihnachtszeit. Beides stimmt, und beides muss man nicht gegeneinander ausspielen, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet.

Verwende ausschließlich stabile Kerzenhalter mit Federklemme, die den Ast fest umschließen. Bringe die Kerzen immer im Zickzack an, also keine Kerze direkt unter einem anderen Ast. Stelle sicher, dass kein Schmuck, kein Lametta und keine herabhängenden Äste in die Kerzenflamme geraten können. Und das Wichtigste: Echte Kerzen am Weihnachtsbaum lässt man niemals unbeaufsichtigt brennen. Nie.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu LED-Lichterketten in warmweißer Ausführung. Die Technologie hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, und gute LED-Lichterketten erzeugen ein Licht, das dem einer Kerze deutlich näherkommt als noch vor zehn Jahren. Für Haushalte mit kleinen Kindern oder Haustieren sind sie die deutlich entspanntere Wahl.

Bis wann steht der Baum, und was dann?

Wann der Weihnachtsbaum abgeschmückt wird, hängt in Deutschland von der konfessionellen Tradition ab. In evangelischen Haushalten gilt der 6. Januar, der Dreikönigstag, als üblicher Termin. In katholischen Familien kann der Baum sogar bis zum 2. Februar stehen bleiben, dem Fest Mariä Lichtmess, das kirchlich das Ende der Weihnachtszeit markiert. In vielen Haushalten ohne religiösen Hintergrund wandert der Baum schlicht dann raus, wenn er anfängt, kahl zu werden.

Die Entsorgung des Baumes gestaltet sich von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. In den meisten Städten organisieren die örtlichen Abfallbetriebe in den ersten ein bis zwei Wochen des neuen Jahres eigene Abholtouren. Wer den ungeschmückten Baum am vereinbarten Tag vor die Tür stellt, muss sich um nichts weiter kümmern. In einigen Städten übernehmen Vereine oder Pfadfinder diese Aufgabe als Spendensammelaktion, was dem ganzen eine sympathische Note gibt.

Wer einen Garten hat, kann den Baum auch dort vergraben oder ihn als Unterschlupf für Vögel aufstellen, bevor er im Frühjahr kompostiert oder gehäckselt wird. Tannennadeln eignen sich übrigens hervorragend als Bodenbedeckung für säureliebende Pflanzen wie Rhododendren oder Heidelbeeren.

Echter Baum oder Kunstbaum: Was ist besser?

Diese Frage spaltet Familien seit Jahrzehnten, und sie hat keine eindeutige Antwort. Es kommt darauf an, was einem wichtig ist.

Für den echten Baum spricht vieles: der Duft, die Haptik, das Wissen, ein natürliches Produkt aus oft regionalem Anbau zu nutzen. Weihnachtsbäume werden auf speziellen Plantagen angebaut und nicht im Wald gefällt. Sie binden während ihres Wachstums CO2 und sind nach der Nutzung vollständig kompostierbar. Ein echter Baum von einem regionalen Anbieter hat eine sehr gute Ökobilanz.

Für den Kunstbaum spricht die Langlebigkeit. Wer denselben Kunstbaum 15 oder 20 Jahre lang verwendet, kompensiert den höheren Ressourcenaufwand bei der Herstellung irgendwann. Außerdem entfällt der alljährliche Kaufstress, und niemand muss befürchten, dass der Baum am 23. Dezember bereits kahl ist. Für Allergiker ist ein Kunstbaum oft die einzige Option.

Was eindeutig gegen Kunstbäume spricht: Viele bestehen aus PVC-Plastik, das bei der Herstellung und Entsorgung belastend ist, und kaum einer hält tatsächlich zwei Jahrzehnte in guter Qualität durch. Wer sich für einen Kunstbaum entscheidet, sollte auf hochwertige Modelle aus LDPE-Kunststoff achten und ihn wirklich über viele Jahre nutzen.

Häufige Fragen rund um den Weihnachtsbaum

Wie lange hält ein Weihnachtsbaum frisch?

Eine frisch geschlagene Nordmanntanne hält bei guter Pflege, also regelmäßigem Gießen und kühlem Standort, problemlos drei bis vier Wochen. Wenn du den Baum zwei Wochen vor Heiligabend kaufst und ihn bis Dreikönig stehen lässt, liegt das gut im Rahmen. Fichten halten in der Wärme deutlich kürzer.

Warum verliert mein Baum so schnell Nadeln?

Meistens liegt es an zu viel Wärme, zu wenig Wasser oder daran, dass der Baum schon zu lange geschlagen war, bevor du ihn gekauft hast. Mache beim Kauf den Frischetest und stelle den Baum nicht direkt neben die Heizung.

Darf man einen Weihnachtsbaum im Wald selbst schlagen?

Nein. Das Fällen von Bäumen im Wald ohne Genehmigung ist in Deutschland strafbar. Wer seinen Baum selbst schlagen möchte, tut das auf speziellen Selbstschlagplantagen, die von Forstbetrieben oder Privatanbietern betrieben werden und im Dezember vielerorts angeboten werden.

Wie entsorge ich Weihnachtsbaumnadeln auf dem Teppich?

Ein normaler Staubsauger kommt mit getrockneten Tannennadeln oft nicht gut zurecht. Besser ist ein Staubsauger mit Bürste oder ein Handrechen, mit dem die Nadeln zunächst zusammengeschoben werden. Alternativ hilft ein feuchtes Tuch, mit dem man über den Teppich wischt und die Nadeln aufnimmt.

Kann man einen Weihnachtsbaum mit Wurzelballen nach dem Fest einpflanzen?

Ja, das ist möglich, erfordert aber etwas Vorbereitung. Der Baum sollte nicht zu lange in der warmen Wohnung stehen, idealerweise maximal zehn Tage. Danach muss er langsam akklimatisiert werden, bevor er in den Frost gesetzt wird. Im Garten braucht er ausreichend Platz, denn eine Nordmanntanne wächst im Laufe der Jahrzehnte zu einem stattlichen Baum heran.


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