Nikolaus
Jedes Jahr sorgt der Nikolaustag am 6. Dezember bei Kindern für leuchtende Augen. Der Nikolaus bringt nicht nur kleine Geschenke, sondern läutet als erster festlicher Höhepunkt des Dezembers die Weihnachtszeit offiziell ein. Bevor der Adventstrubel richtig beginnt, gibt es diesen einen Morgen, an dem Kinder mit einem Kribbeln im Bauch aufwachen und als Erstes zur Haustür laufen, um nachzuschauen, was im Stiefel steckt.
Was viele dabei nicht wissen: Hinter diesem vertrauten Brauch steckt eine über 1700 Jahre alte Geschichte, die von einem echten Menschen ausgeht, dessen Großzügigkeit so außergewöhnlich war, dass sie bis heute nachwirkt.

Inhaltsverzeichnis
- Der historische Nikolaus von Myra
- Die bekanntesten Legenden rund um den heiligen Nikolaus
- Wie der Nikolausbrauch nach Deutschland kam
- Der Nikolaustag heute: Bräuche und Traditionen
- Knecht Ruprecht: Wer ist diese dunkle Begleitfigur?
- Nikolaus und Weihnachtsmann: Die wichtigsten Unterschiede
- Nikolaus in anderen Ländern
- Warum stellen Kinder Stiefel vor die Tür?
- Den Nikolaustag schön gestalten: Ideen für Familien
- Häufige Fragen zum Nikolaus
Der historische Nikolaus von Myra
Nikolaus von Myra war ein christlicher Geistlicher, der zwischen 280 und 286 nach Christus im lykischen Patara geboren wurde, einer Stadt im heutigen Südtürkien. Mit 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und übernahm später das Bischofsamt in der Stadt Myra, die ebenfalls in der heutigen Türkei lag. Er starb zwischen 345 und 351 nach Christus.
Über sein Leben ist wenig gesichertes bekannt. Was überliefert ist, zeigt einen Menschen von außergewöhnlicher Güte. Als seine wohlhabenden Eltern früh starben, verteilte Nikolaus das gesamte Erbe an Arme und Bedürftige. Diese Haltung zog sich durch sein gesamtes Leben und begründete seinen Ruf als Beschützer der Schwachen. Sowohl in der lateinischen als auch in der orthodoxen Kirche gilt er als einer der bedeutendsten Heiligen. Sein Gedenktag ist sein Todestag, der 6. Dezember, der in vielen Teilen der Welt bis heute gefeiert wird.
Nikolaus ist Schutzpatron einer bemerkenswert vielfältigen Gruppe: Kinder, Seefahrer, Händler, Bäcker und sogar Pfandleiher zählen zu denen, die traditionell seinen Schutz anrufen. Diese Breite ist selbst für einen Heiligen ungewöhnlich und spricht für die Tiefe, mit der er in das kollektive Gedächtnis eingegangen ist.
Die bekanntesten Legenden rund um den heiligen Nikolaus
Da gesicherte historische Quellen über Nikolaus von Myra rar sind, haben sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Legenden um seine Person gebildet. Drei davon sind besonders verbreitet und erklären, warum er gerade bei Kindern und Benachteiligten als Schutzheiliger verehrt wird.
Die Legende der drei Jungfrauen ist die bekannteste und hat den Nikolausbrauch direkt geprägt. Ein verarmter Vater hatte drei Töchter, denen er keine Mitgift geben konnte. Ohne Mitgift gab es damals keine Aussicht auf eine Heirat, und die Mädchen drohten in die Prostitution abzugleiten. Nikolaus erfuhr davon und warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten je einen Beutel Gold durch das Fenster des Hauses. Einer Variante der Legende nach landete der dritte Goldklumpen in einem am Kamin hängenden Strumpf, was den Brauch erklärt, Strümpfe oder Stiefel bereit zu stellen.
Die Legende der drei Söhne ist düsterer. Ein Metzger soll in einer Hungersnot drei Kinder getötet und eingesalzen haben, um sie als Fleisch zu verkaufen. Nikolaus soll die Kinder wieder zum Leben erweckt haben. Diese Geschichte erklärt seinen Status als Schutzpatron der Kinder und ist vor allem in Frankreich und Belgien tief verwurzelt.
Die Sturmlegende ist eng mit seiner Rolle als Schutzheiliger der Seefahrer verbunden. Auf einer Pilgerreise nach Jerusalem soll Nikolaus einen Seemann vor dem Tod bewahrt haben, indem er durch sein Gebet einen Sturm besänftigte. Ob diese Erzählung historisch irgendeine Grundlage hat, lässt sich nicht sagen, aber sie sorgte dafür, dass Nikolaus über Jahrhunderte in Hafenstädten besonders innig verehrt wurde.
Wie der Nikolausbrauch nach Deutschland kam
Die Verehrung des heiligen Nikolaus begann früh. Bereits im 6. Jahrhundert ließ Kaiser Justinian in Konstantinopel eine Kirche zu seinen Ehren errichten. Die orthodoxen Kirchen begannen, seinen Todestag am 6. Dezember offiziell zu feiern. Von dort aus verbreitete sich der Brauch zunächst nach Italien, wo besonders die Stadt Bari eine zentrale Rolle spielte: Im Jahr 1087 wurden die angeblichen Gebeine des Heiligen von türkischen Händlern oder, je nach Quelle, von normannischen Rittern dorthin gebracht. Die Basilika San Nicola in Bari wurde zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte Europas, was Nikolaus eine Berühmtheit verschaffte, die weit über den Osten hinausging.
In Deutschland gewann der Gedenktag ab dem 10. Jahrhundert an Bedeutung. Einen besonderen Antrieb gab ihm die adelige Familie Ezzonen, die im Rheinland mehrere Nikolauskirchen stiftete und damit den Kult aktiv förderte. Über die Klöster und Domschulen verbreitete sich der Brauch weiter: In vielen Bildungseinrichtungen war es Usus, am Nikolaustag einen der Schüler als Bischof zu verkleiden und ihn für einen Tag die Rolle des Nikolaus spielen zu lassen. Daraus entwickelten sich mit der Zeit die Besuche des Nikolaus in Familien und Schulen, die wir heute kennen.
Der Nikolaustag heute: Bräuche und Traditionen
Am Abend des 5. Dezember ist es in vielen deutschen Haushalten Tradition, dass Kinder ihre Stiefel geputzt vor die Wohnungstür oder auf die Fensterbank stellen. In der Nacht füllt der Nikolaus sie mit kleinen Gaben. Ursprünglich waren das Äpfel, Nüsse und Mandarinen, also Früchte, die im Winter besonders kostbar waren. Heute stecken in den Stiefeln meistens Schokolade, Marzipan, kleine Spielzeuge oder Bücher.
In manchen Familien kommt der Nikolaus auch persönlich zu Besuch, verkleidet mit Bischofsmütze, rotem Mantel und einem großen Buch, in dem angeblich das Verhalten der Kinder aufgezeichnet ist. Solche Besuche sind für kleine Kinder oft ein prägendes Erlebnis. Pädagoginnen und Pädagogen empfehlen heute, den einschüchternden Aspekt dabei in den Hintergrund zu stellen und den Fokus auf die Freude und die Großzügigkeit des Nikolaus zu legen, statt auf Strafe und Bewertung.
Knecht Ruprecht: Wer ist diese dunkle Begleitfigur?
Der Nikolaus tritt der Überlieferung nach nicht alleine auf. An seiner Seite erscheint Knecht Ruprecht, eine Figur, die mit zottigem Fell, einer Rute und einem Sack ausgestattet ist. Seine Aufgabe war es traditionell, unartigen Kindern eine Strafe anzudrohen oder zu erteilen, während der Nikolaus die braven mit Geschenken bedachte. Diese Zweiteilung in Belohnung und Androhung von Konsequenzen ist uralt und spiegelt eine pädagogische Denkweise wider, die heute kritischer betrachtet wird.
Woher Knecht Ruprecht stammt, ist nicht vollständig geklärt. Die erste schriftliche Erwähnung taucht im 17. Jahrhundert auf, aber seine Wurzeln reichen vermutlich tiefer. Manche Forschende sehen in ihm eine christianisierte Version vorchristlicher Winterdämonen, die in der rauen Jahreszeit durch die Dörfer zogen und die Menschen erschreckten. Andere sehen ihn als Personifizierung der moralischen Kehrseite des freigebigen Nikolaus.
Regional kennt man ihn unter verschiedenen Namen: Im Elsass heißt er Hans Trapp, in der Schweiz Schmutzli, in Bayern und Österreich Krampus. Der Krampus ist dabei die wildeste Variante, ein zottiges, gehörntes Wesen, das in Teilen Österreichs und Südtirols am 5. Dezember in Gruppen durch die Straßen zieht, lärmt und kleine Kinder erschreckt. Die sogenannten Krampusläufe sind dort lebendiges Brauchtum und ziehen jedes Jahr Tausende von Schaulustigen an.
Nikolaus und Weihnachtsmann: Die wichtigsten Unterschiede
Optisch sind sich Nikolaus und Weihnachtsmann zum Verwechseln ähnlich. Roter Mantel, weißer Bart, freundliches Gesicht und ein Sack voller Gaben. Doch hinter den Kostümen stecken zwei grundverschiedene Figuren mit sehr unterschiedlicher Herkunft.
- Historischer Hintergrund: Der Nikolaus geht auf eine real existierende Person zurück, den Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert lebte. Der Weihnachtsmann hingegen ist eine fiktive Figur ohne historisches Vorbild.
- Geographische Entstehung: Der Weihnachtsmann entwickelte sich in Nordamerika aus dem niederländischen Sinterklaas, der seinerseits auf den heiligen Nikolaus zurückgeht. Als holländische Einwanderer ihre Nikolaustradition in die Neue Welt mitbrachten, wandelte sich die Figur dort über Generationen zum heutigen Santa Claus.
- Besuchstermin: Der Nikolaus kommt in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember. Der Weihnachtsmann bringt seine Geschenke in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.
- Religiöser Bezug: Der Nikolaus ist eine Heiligenfigur der christlichen Kirche. Der Weihnachtsmann hat keinen explizit religiösen Charakter mehr und ist heute vor allem eine kulturelle und kommerzielle Figur.
- Begleitung: Der Nikolaus erscheint traditionell mit Knecht Ruprecht oder einer ähnlichen Begleitfigur. Der Weihnachtsmann kommt mit einem Rentier-Schlitten und fleißigen Wichteln im Gepäck.
Beide Figuren existieren heute friedlich nebeneinander, auch wenn die Grenzen im Alltag oft verschwimmen. In vielen Familien bringt der Nikolaus am 6. Dezember Kleinigkeiten, während der Weihnachtsmann oder das Christkind die großen Geschenke zu Heiligabend übernimmt.
Nikolaus in anderen Ländern
Die Nikolaustradition ist kein rein deutsches Phänomen. In vielen europäischen Ländern wird der 6. Dezember gefeiert, manchmal mit verblüffend anderen Bräuchen.
In den Niederlanden ist Sinterklaas der Star der Vorweihnachtszeit. Er kommt bereits Mitte November mit einem Dampfschiff aus Spanien an, zieht in großem Umzug durch die Städte und wohnt bis zum 5. Dezember im Land. Kinder stellen ihre Schuhe vor den Kamin und singen Sinterklaas-Lieder. Der Abend des 5. Dezember heißt Pakjesavond und ist der eigentliche Bescherungsabend, Weihnachten selbst ist in den Niederlanden eher ein ruhiges Familienfest.
In Belgien und Frankreich ist der Heilige Nikolaus ebenfalls eine bedeutende Figur. Im lothringischen Saint-Nicolas-de-Port, dem wichtigsten Nikolaus-Wallfahrtsort Frankreichs, findet jedes Jahr am ersten Samstag im Dezember ein großer Festumzug statt, der Zehntausende Menschen anzieht.
In Österreich ist der Krampus mindestens so präsent wie der Nikolaus selbst. Die Krampusläufe am 5. Dezember sind in vielen Regionen jahrhundertealtes Brauchtum. Verkleidete junge Männer in aufwendigen Kostümen ziehen durch die Dörfer und erschrecken die Menschen, besonders die Kinder. Was von außen befremdlich wirkt, ist für die Einheimischen gelebte Tradition.
In Tschechien und der Slowakei besucht der Nikolaus die Kinder am Abend des 5. Dezember persönlich zu Hause, begleitet von einem Engel und einem Teufel. Kinder tragen Gedichte oder Lieder vor und erhalten dafür Süßigkeiten. Der Teufel übergibt den unartigen Kindern symbolisch eine Kartoffel oder Kohle.
Warum stellen Kinder Stiefel vor die Tür?
Der Stiefelbrauch ist einer der bekanntesten Nikolausbräuche und hat eine direkte symbolische Verbindung zur Legende der drei Jungfrauen. Als Nikolaus damals die Goldbeutel durchs Fenster warf, landete einer Überlieferung nach der dritte Beutel in einem am Kamin getrockneten Strumpf. Dieser Strumpf wurde zum Symbol des heimlichen Beschenkens, und aus dem Strumpf wurde mit der Zeit der Stiefel.
Der Stiefel hat dabei einen praktischen Hintergrund, der oft übersehen wird. In früheren Zeiten war er das langlebigste und wertvollste Kleidungsstück eines Kindes. Einen Stiefel vor die Tür zu stellen war damit eine symbolische Geste: das Kostbarste, was man hatte, bereithalten für den Heiligen, der mit seinen Gaben kommt.
Heute ist die Wahl des Schuhs weniger bedeutsam. Manche Kinder stellen einen einzelnen Gummistiefel auf, andere einen alten Turnschuh, und in manchen Familien werden die Stiefel mit Moos und Tannengrün ausgelegt, damit der Nikolaus gleich sieht, wie sorgfältig alles vorbereitet wurde.
Den Nikolaustag schön gestalten: Ideen für Familien
Der 6. Dezember muss nicht nur aus einem gefüllten Stiefel bestehen. Mit ein paar einfachen Ideen wird er zu einem richtigen kleinen Fest im Adventkalender.
- Stiefel gemeinsam putzen: Am Abend des 5. Dezember die Stiefel gemeinsam zu putzen und aufzustellen ist ein schönes Ritual, das die Erwartungsfreude der Kinder auf angenehme Weise kanalisiert.
- Nikolausgedichte einüben: In vielen Familien ist es Tradition, dass Kinder beim Nikolausbesuch ein Gedicht oder ein Lied vortragen. Kurze, lustige Verse sind für kleine Kinder genauso geeignet wie selbst geschriebene Reime.
- Nikolaustüten basteln: Statt fertige Plastiktüten zu kaufen, können Kinder ihre eigenen Nikolaustüten aus Papier basteln und bemalen. Das beschäftigt den Nachmittag des 5. Dezember und macht das Ergebnis am nächsten Morgen persönlicher.
- Nikolausbrot backen: In einigen deutschen Regionen ist es Brauch, am Nikolaustag Hefegebäck in Form des Heiligen zu backen. Diese Figuren, oft Weckmann oder Stutenkerl genannt, sind besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verbreitet.
- Die Geschichte des Nikolaus erzählen: Für Kinder ab etwa vier Jahren ist die Geschichte des echten Nikolaus von Myra gut verständlich. Sie zeigt, dass hinter der festlichen Figur ein echter Mensch stand, dessen Güte ihn unsterblich gemacht hat.
Häufige Fragen zum Nikolaus
Ist der Nikolaus dieselbe Person wie der Weihnachtsmann?
Nein. Der Nikolaus geht auf den historischen Bischof Nikolaus von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Der Weihnachtsmann ist eine fiktive Figur, die sich aus der Nikolaustradition heraus entwickelt hat, aber keinem realen Menschen entspricht. Beide teilen ähnliche Eigenschaften, sind aber unterschiedliche Figuren mit verschiedenen Herkunftsgeschichten.
Warum trägt der Nikolaus Bischofstracht?
Weil der historische Nikolaus tatsächlich Bischof war. Die Mitra, also die hohe Bischofsmütze, der Krummstab und das rote Gewand sind keine Erfindung, sondern entstammen direkt dem Amt, das Nikolaus von Myra bekleidete. Die heutige Darstellung ist damit historisch deutlich treffsicherer als das Kostüm des Weihnachtsmannes.
Ab welchem Alter verstehen Kinder den Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann?
Die meisten Kinder beginnen im Alter von fünf bis sieben Jahren, Fragen zu stellen und Ungereimtheiten wahrzunehmen. Wann und wie Eltern den Kindern den Hintergrund erklären, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Viele Pädagoginnen und Pädagogen empfehlen, bei Nachfragen ehrlich zu antworten, ohne das Thema ungefragt vorwegzunehmen.
Gibt es den Nikolausbrauch auch in nicht-christlichen Familien?
Ja. In vielen Familien ohne religiösen Hintergrund ist der Nikolaustag ein reines Kinderfest ohne christliche Bedeutung. Der Brauch des gefüllten Stiefels funktioniert vollständig unabhängig vom religiösen Kontext und wird von zahlreichen Familien unterschiedlichster Herkunft gefeiert.
Was steckt man in einen Nikolausstiefel?
Klassisch sind Mandarinen, Äpfel, Nüsse, Schokolade und Marzipan. Wer etwas Persönlicheres möchte, ergänzt mit einem kleinen Buch, einem Stift-Set oder einer Kleinigkeit, die zum jeweiligen Kind passt. Der Stiefel muss nicht voll bis zum Rand sein, ein paar liebevoll ausgesuchte Dinge wirken oft herzlicher als eine überfüllte Tüte.