Weihnachtsgottesdienst
Für viele Menschen gehört der Weihnachtsgottesdienst zur Heiligen Nacht wie die Kerzen am Tannenbaum oder der Duft nach frisch gebackenen Plätzchen. Selbst wer das restliche Jahr kaum eine Kirche von innen sieht, findet sich am Heiligen Abend oft in einer Kirchenbank wieder, umgeben von Kerzenschein, Chorgesang und dem vertrauten Klang alter Weihnachtslieder. Dieser Abend hat eine ganz eigene Qualität, die sich schwer in Worte fassen lässt.
Weihnachtsgottesdienste sind die Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen. Die zentralen kirchlichen Veranstaltungen sind die Christvesper und die Christmette. Beide haben eine lange Tradition, unterscheiden sich aber in ihrem Charakter, ihrer Uhrzeit und ihrer liturgischen Bedeutung erheblich voneinander. Wer einmal versteht, was hinter diesen Begriffen steckt, erlebt den Gottesdienst mit ganz anderen Augen.

Inhaltsverzeichnis
- Die Bedeutung des Weihnachtsgottesdienstes
- Was ist eine Christvesper?
- Was ist eine Christmette?
- Unterschiede zwischen evangelischen und katholischen Gottesdiensten
- Das Krippenspiel im Gottesdienst
- Kirchenmusik zu Weihnachten
- Gottesdienste am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag
- Weihnachtsgottesdienste in anderen Konfessionen
- So bereitest du dich auf den Gottesdienst vor
- Weihnachtsgottesdienst mit Kindern
- Gottesdienste online mitfeiern
Die Bedeutung des Weihnachtsgottesdienstes
Weihnachten ist im christlichen Glauben das Fest der Menschwerdung Gottes. Die Geburt Jesu in Bethlehem steht im Mittelpunkt aller Feiern dieser Zeit, und der Gottesdienst ist der Ort, an dem dieses Ereignis bewusst und gemeinschaftlich begangen wird. Während Geschenke, Festessen und Familientreffen den äußeren Rahmen des Festes bilden, ist der Gottesdienst für gläubige Menschen der eigentliche Kern.
Aber auch für Menschen, die sich nicht als streng religiös bezeichnen würden, hat der Weihnachtsgottesdienst eine besondere Anziehungskraft. Der Gesang vertrauter Lieder, das Licht der Kerzen in einem dunklen Kirchenraum, die Stille vor der Mitternacht: All das berührt auf eine Weise, die über das rein Religiöse hinausgeht. Es ist ein Moment der Sammlung, des Innehaltens und der Verbundenheit, der in der Hektik der Vorweihnachtszeit seinen festen Platz hat.
Historisch betrachtet hat die Weihnachtsliturgie Wurzeln, die bis in die Frühzeit des Christentums zurückreichen. Bereits im 4. Jahrhundert feierten die ersten christlichen Gemeinden in Rom ein Fest zur Geburt Christi. Die besonderen nächtlichen Gottesdienste, die Vorläufer der heutigen Christmette, entwickelten sich aus dem frühen Brauch, die Nacht der Geburt Jesu wachend zu begehen.
Was ist eine Christvesper?
Die Christvesper wird sowohl in evangelischen als auch in katholischen Kirchen angeboten und ist in beiden Traditionen ursprünglich ein Wortgottesdienst ohne Eucharistiefeier beziehungsweise Abendmahl. Aufgrund des weit verbreiteten Priestermangels feiern manche katholischen Pfarreien die Vesper am Heiligen Abend inzwischen auch als Vorabendmesse. Das gilt vor allem für Gemeinden, in denen keine Christmette stattfindet.
In der Christvesper ist es üblich, dass der Kirchenchor singt und ein kurzes Krippenspiel aufgeführt wird, das die Predigt ganz oder teilweise ersetzen kann. Gerade dieser spielerische, für Kinder zugängliche Teil macht die Christvesper besonders familienfreundlich. Aufgrund des großen Andrangs am Heiligen Abend bieten viele Gemeinden mehrere Vespern hintereinander an, manchmal schon am Nachmittag, damit auch Familien mit kleinen Kindern gut teilnehmen können. Die Dauer liegt in der Regel zwischen sechzig und neunzig Minuten.
Der Begriff "Vesper" leitet sich vom lateinischen Wort für Abend ab und bezeichnet im kirchlichen Sprachgebrauch einen Abendgottesdienst. Die Christvesper trägt ihren Namen also zu Recht: Sie findet am Nachmittag oder frühen Abend des 24. Dezember statt und bereitet die Gemeinde innerlich auf die Weihnachtsnacht vor.
Was ist eine Christmette?
Die Christmette ist der feierlichste Gottesdienst der Weihnachtszeit. Ursprünglich wurde sie um Mitternacht gehalten, um die Geburtsstunde Jesu symbolisch zu begehen. Dieser Beginn um 24.00 Uhr ist vielen Gemeindemitgliedern heute jedoch zu spät, weshalb die meisten Kirchengemeinden die Mette bereits um 22.00 Uhr oder 23.00 Uhr beginnen. Die Feier dauert in der Regel rund zwei Stunden und ist besonders aufwändig gestaltet.
In der katholischen Tradition gilt die Christmette als Vorabendmesse für den ersten Weihnachtsfeiertag. Die evangelischen Kirchen sehen sie als Gottesdienst des Heiligen Abends selbst. Diese Unterscheidung ist nicht nur theologisch relevant: Für Katholiken, die nur einmal je Sonn- und Feiertag zur Kommunion gehen dürfen, entscheidet sie darüber, ob der Empfang der Eucharistie in der Mette oder am nächsten Morgen beim Festgottesdienst gilt.
Nur wenige protestantische Gemeinden feiern das Abendmahl in der Mette. Die meisten gestalten sie als Wortgottesdienst mit umfangreichen kirchenmusikalischen Anteilen, was ihr einen konzertsaalartigen Charakter verleiht. Viele Gemeindemitglieder wünschen sich ausdrücklich, dass die Christmette nicht vor Mitternacht endet und erst mit dem ersten Weihnachtsfeiertag abschließt. Liturgisch ist das allerdings nicht zwingend, denn nach kirchlichem Verständnis beginnt der neue Tag bereits um 18.00 Uhr, nicht um Mitternacht. Diese Regel geht auf die biblische Schöpfungsgeschichte zurück, die den Tagesbeginn mit der Abenddämmerung festlegt.
Unterschiede zwischen evangelischen und katholischen Gottesdiensten
Wer Gottesdienste beider Konfessionen kennt, wird schnell merken, dass sie sich trotz gemeinsamer Grundlage in mancher Hinsicht deutlich unterscheiden. Das gilt besonders zu Weihnachten, wenn beide Kirchen ihre jeweils eigene Feierlichkeit in den Vordergrund stellen.
- Eucharistie und Abendmahl: In der katholischen Messe steht die Eucharistiefeier im Mittelpunkt. Im evangelischen Gottesdienst ist das Abendmahl weniger zwingend und wird je nach Gemeinde unterschiedlich häufig gefeiert.
- Liturgische Sprache und Formen: Katholische Gottesdienste folgen einer strikter geregelten Liturgie, während evangelische Gemeinden mehr Spielraum bei der Gestaltung haben.
- Kirchenmusik: Beide Konfessionen legen zu Weihnachten großen Wert auf Musik, allerdings unterscheiden sich die Traditionen. Während in der katholischen Kirche lateinische Choräle eine lange Geschichte haben, ist das evangelische Kirchenlied stark mit der deutschen Sprache verbunden, besonders durch die Reformation Martin Luthers.
- Predigt: In evangelischen Gottesdiensten nimmt die Predigt traditionell einen zentralen Platz ein. In der Christmette kann sie kürzer ausfallen, wenn die musikalischen Teile überwiegen.
- Krippenspiel: Dieser Brauch ist in beiden Konfessionen verbreitet, wird aber am häufigsten in der Christvesper am Heiligen Abend aufgeführt, da dort viele Familien mit Kindern vertreten sind.
Das Krippenspiel im Gottesdienst
Das Krippenspiel ist eine der ältesten und schönsten Formen der weihnachtlichen Verkündigung. Es erzählt die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium und wird traditionell von Kindern aufgeführt. Maria, Josef, die Hirten auf dem Feld, die Heiligen Drei Könige und natürlich die Engelsschar: Jede Figur hat ihren festen Platz in der Geschichte, und jedes Kind, das eine Rolle übernimmt, ist mit großem Ernst bei der Sache.
Was das Krippenspiel so wirkungsvoll macht, ist seine Unmittelbarkeit. Die Weihnachtsgeschichte wird nicht nur erzählt, sie wird sichtbar und erlebbar. Selbst Erwachsene, die die Geschichte in- und auswendig kennen, sind oft berührt, wenn ein kleines Kind als Engel auf die Bühne tritt und "Fürchtet euch nicht" sagt. In diesem Moment verbinden sich Kindheitserinnerung, Glaube und Gegenwart auf eine Weise, die kaum eine Predigt ersetzen kann.
Viele Kirchengemeinden bereiten das Krippenspiel über Wochen vor. Proben, Kostüme, manchmal sogar selbst gebaute Kulissen: Der Aufwand ist beträchtlich, aber er lohnt sich. In einigen Gemeinden hat sich das Krippenspiel zu einer jährlichen Produktion entwickelt, auf die Kinder, Eltern und Großeltern gleichermaßen hinfiebern.
Kirchenmusik zu Weihnachten
Kaum ein anderer Aspekt prägt den Weihnachtsgottesdienst so stark wie die Musik. Weihnachtslieder gehören zu den bekanntesten und am tiefsten verankerten Melodien im kollektiven Gedächtnis. "Stille Nacht", "O du fröhliche" oder "Ihr Kinderlein kommet" kennen die meisten Menschen in Deutschland auswendig, und wenn sie in einer Kirche angestimmt werden, entsteht eine Gemeinschaft im Singen, die über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinausgeht.
Neben dem gemeinsamen Gemeindegesang spielen Kirchenchöre, Posaunenchöre und Orgelmusik eine wichtige Rolle. In größeren Gemeinden werden zu Weihnachten teils aufwändige Chorwerke aufgeführt, darunter Teile aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium oder Händels "Messiah". Solche Aufführungen ziehen auch Konzertbesucher an, die sonst nicht regelmäßig in die Kirche gehen.
Besonders stimmungsvoll sind Gottesdienste, in denen das Licht eine Rolle spielt. Wenn die Gemeinde in der Christmette Kerzen anzündet und das Licht von Person zu Person weitergegeben wird, entsteht ein Bild, das viele Besucherinnen und Besucher als einen der bewegendsten Momente des ganzen Jahres beschreiben. Musik und Licht zusammen erzeugen eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben, aber leicht zu fühlen ist.
Gottesdienste am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag
Die Gottesdienste am ersten Weihnachtsfeiertag sind deutlich schwächer besucht als die Veranstaltungen am Heiligen Abend. Viele Menschen haben den Kirchgang bereits am 24. Dezember hinter sich gebracht oder verbringen den 25. Dezember in engem Familienkreis. Im Mittelpunkt steht auch hier die Weihnachtsgeschichte, jedoch in einer ruhigeren, festlicheren Atmosphäre ohne Krippenspiel. Einige katholische Gemeinden bieten am Nachmittag des ersten Weihnachtstages eine zusätzliche Andacht an.
Der zweite Weihnachtsfeiertag bringt eine interessante Besonderheit mit sich. In der katholischen Kirche gilt der 26. Dezember als Gedenktag des Märtyrers Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers. Dieser liturgische Inhalt deckt sich nicht mit dem Empfinden der meisten Gläubigen, die den Tag als Fortsetzung der Weihnachtsfreude erleben. Das führt dazu, dass die Beteiligung an der Messfeier an diesem Tag besonders gering ausfällt.
Die evangelischen Kirchen begehen den 26. Dezember hingegen tatsächlich als zweiten Weihnachtsfeiertag und richten ihre Lesungen auf dieses Fest aus. Da der Gottesdienstbesuch auch hier sehr schwach ist, tun sich mancherorts mehrere Gemeinden zusammen und feiern einen gemeinsamen Gottesdienst. Beliebt ist auch der Ersatz des regulären Gottesdienstes durch eine musikalische Kirchenmatinee, sofern die Gottesdienstordnung der jeweiligen Landeskirche dieses Verfahren erlaubt.
Weihnachtsgottesdienste in anderen Konfessionen
Weihnachten wird nicht nur von Katholiken und Protestanten gefeiert. Auch andere christliche Gemeinschaften haben ihre eigenen, teils sehr unterschiedlichen Traditionen rund um den Weihnachtsgottesdienst.
Orthodoxe Christen feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender, das heißt in den meisten orthodoxen Kirchen am 7. Januar. Der orthodoxe Weihnachtsgottesdienst beginnt ebenfalls in der Nacht und ist geprägt von langen Liturgien, reichem Weihrauch und einer strengen, jahrhundertealten Form des Gottesdienstes. In deutschen Großstädten gibt es orthodoxe Gemeinden aus Griechenland, Russland, Rumänien und anderen Ländern, die nach diesen Traditionen feiern.
Freikirchliche Gemeinden wie Baptisten, Methodisten oder pfingstliche Gemeinschaften gestalten ihre Weihnachtsgottesdienste oft freier und lebendiger. Lobpreismusik, persönliche Zeugnisse und eine weniger streng geregelte Liturgie prägen den Ablauf. Die Gemeinschaft und die emotionale Beteiligung der Anwesenden stehen dabei im Vordergrund.
Anglikanische Gottesdienste, wie man sie etwa in englischsprachigen Gemeinden in Deutschland erleben kann, verbinden Elemente beider großen Traditionen. Der "Midnight Mass" ist in der anglikanischen Kirche ein festes und hochgeschätztes Ritual, das für viele Engländer zur Weihnacht wie selbstverständlich dazugehört.
So bereitest du dich auf den Gottesdienst vor
Besonders an Heiligabend sind viele Kirchen brechend voll. Wer nicht auf einem Klappstuhl in der letzten Reihe sitzen möchte, sollte rechtzeitig erscheinen. In beliebten Gemeinden lohnt es sich, eine Viertelstunde oder mehr früher aufzubrechen. Manche Kirchen vergeben für die Christmette sogar Einlasskarten, damit die Kapazitäten nicht überschritten werden.
- Informiere dich vorab über die Gottesdienstzeiten: Viele Gemeinden veröffentlichen ihr Weihnachtsprogramm auf der eigenen Website oder hängen es am Gemeindehaus aus.
- Kleide dich dem Anlass entsprechend: Kirchen sind im Winter oft kühl, selbst wenn viele Menschen darin versammelt sind. Eine warme Jacke ist keine schlechte Idee.
- Bring ein Liederbuch oder eine Gesangbuch-App mit: Wer die Texte der Weihnachtslieder nicht auswendig kennt, freut sich über eine Stütze.
- Plane die Rückfahrt: Wer die Christmette um Mitternacht besucht, sollte im Voraus klären, wie er nach Hause kommt, da der öffentliche Nahverkehr zu später Stunde eingeschränkt sein kann.
- Komm mit offener Haltung: Auch wer nicht gläubig ist, kann einen Weihnachtsgottesdienst als kulturelles und emotionales Erlebnis wahrnehmen und wertschätzen.
Weihnachtsgottesdienst mit Kindern
Für Kinder ist der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes oft ein unvergessliches Erlebnis. Das Kerzenlicht, die festlich geschmückte Kirche, das gemeinsame Singen bekannter Lieder und vielleicht sogar die eigene Teilnahme am Krippenspiel hinterlassen Eindrücke, die lange nachwirken. Viele Erwachsene erinnern sich noch Jahrzehnte später genau daran, wie sie als Kind zum ersten Mal in einem Gottesdienst eine Kerze gehalten haben.
Die Christvesper am Nachmittag des Heiligen Abends ist die familienfreundlichste Option. Sie beginnt zu einer Uhrzeit, die auch für kleine Kinder zumutbar ist, dauert nicht zu lang und enthält mit dem Krippenspiel einen Teil, der speziell auf jüngere Besucher ausgerichtet ist. Für Kleinkinder, die noch schwer stillsitzen können, ist es sinnvoll, einen Platz in der Nähe des Ganges zu wählen, damit man notfalls geräuschlos den Saal verlassen kann.
Eltern, die ihren Kindern Weihnachten in seiner religiösen Dimension näherbringen möchten, finden im Gottesdienst einen wertvollen Rahmen. Gespräche über die Weihnachtsgeschichte, die Bedeutung der Krippe und die Stille der Nacht können so auf natürliche Weise entstehen, ohne Druck und ohne Erklärungsnot.
Gottesdienste online mitfeiern
Seit der Coronapandemie haben viele Kirchengemeinden begonnen, ihre Gottesdienste zu streamen oder aufzuzeichnen. Was damals aus der Not geboren wurde, hat sich seitdem als echte Erweiterung des Gemeindelebens etabliert. Wer krank ist, nicht mobil genug, weit entfernt oder einfach zu schüchtern für einen Kirchenbesuch, kann Weihnachtsgottesdienste heute bequem von zu Hause aus miterleben.
Die großen Kirchen in Deutschland, darunter der Berliner Dom, der Kölner Dom und der Nürnberger Christuskirche, übertragen ihre Weihnachtsgottesdienste regelmäßig im Fernsehen oder per Livestream im Internet. Auch viele kleinere Gemeinden bieten inzwischen Streams über YouTube, Facebook oder ihre eigene Website an.
Natürlich ersetzt ein digitaler Gottesdienst nicht das leibhaftige Erlebnis in der Gemeinschaft. Das Kerzenlicht, der Gesang der Gemeinde und die Stille eines Kirchenraums lassen sich durch einen Bildschirm nur bedingt übermitteln. Aber als Alternative für alle, die nicht persönlich erscheinen können, ist das Online-Angebot eine echte Bereicherung, über die viele Gläubige und Interessierte dankbar sind.