Krippenspiel
Wenn man Umfragen Glauben schenken kann, dann gehört für die meisten Menschen der Besuch eines Gottesdienstes zu Weihnachten unbedingt dazu. Aber ob religiös oder nicht, ein Angebot der christlichen Kirchen zum Weihnachtsfest überzeugt gerade Kleinkinder immer wieder und überstrahlt die oftmals langen Weihnachtsgottesdienste: Das Krippenspiel.

Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Krippenspiel?
- Die Geschichte des Krippenspiels
- Typischer Ablauf eines Krippenspiels
- Die wichtigsten Rollen und Figuren
- Kostüme selbst basteln: Tipps für Eltern
- Die schönsten Lieder für das Krippenspiel
- Krippenspiel-Text: Was macht einen guten Text aus?
- Krippenspiel im Kindergarten vorbereiten
- Warum das Krippenspiel bis heute so besonders ist
- Häufige Fragen rund ums Krippenspiel
- Krippenspiel als Video
Was ist ein Krippenspiel?
Ein Krippenspiel ist eine lebendige, gespielte Darstellung der Weihnachtsgeschichte, die sich auf die Geburt Jesu Christi in Bethlehem konzentriert. Der Begriff leitet sich von der Krippe ab, also dem Futtertrog, in dem das neugeborene Kind nach der Überlieferung des Lukasevangeliums gebettet wurde. Im Gegensatz zu einer stillen Krippenszene aus Ton oder Holz lebt das Krippenspiel durch die Kinder, die die Rollen übernehmen und die Geschichte zum Leben erwecken.
Was dieses Format so besonders macht: Es spricht Kinder auf einer Ebene an, die kein Religionsunterricht und keine Predigt je erreichen könnte. Wenn der eigene Sohn als Josef oder die Tochter als Maria auf der Kirchenbühne steht, wird die zweitausend Jahre alte Geschichte plötzlich greifbar und persönlich. Viele Erwachsene erinnern sich noch Jahrzehnte später an ihr erstes Krippenspiel, ob als Mitwirkende oder als kleines Kind in der Zuschauerbank.
Die Geschichte des Krippenspiels
Der Ursprung des Krippenspiels liegt im 13. Jahrhundert. Im Jahr 1223 bat Franz von Assisi den Grafen Giovanni Velita um die Erlaubnis, in einem Waldstück nahe der kleinen Stadt Greccio in Umbrien eine lebende Krippe aufzustellen. Für dieses erste bekannte Krippenspiel wurden echte Tiere gebracht, Ochs und Esel, und lebende Menschen übernahmen die Rollen der Heiligen Drei Könige, der Hirten und der Engel. Franz von Assisi selbst hielt eine bewegende Predigt über die Menschwerdung Gottes.
Diese Idee verbreitete sich rasch durch den Franziskanerorden in ganz Europa. Im Mittelalter entwickelten sich daraus sogenannte Mysterienspiele, aufwendige Theateraufführungen, die ganze Volksmengen anzogen. Mit der Reformation wandelte sich das Format: Vor allem im katholischen Süddeutschland und in Österreich blieb das Krippenspiel als kirchliche Tradition erhalten, während es in protestantischen Regionen zunächst zurückging, später aber in angepasster Form wieder aufgegriffen wurde.
Heute ist das Krippenspiel überkonfessionell: Evangelische wie katholische Gemeinden, Kindergärten, Schulen und sogar nicht kirchliche Einrichtungen führen in der Adventszeit Krippenspiele auf. Die Form hat sich gewandelt, mal modern und musikalisch, mal traditionell und still, aber das Grundprinzip, Kinder spielen die Weihnachtsgeschichte nach, ist seit 800 Jahren dasselbe.
Typischer Ablauf eines Krippenspiels
Kein Krippenspiel gleicht dem anderen, doch die meisten folgen einer ähnlichen dramaturgischen Struktur, die sich aus dem Lukasevangelium und dem Matthäusevangelium speist. Ein klassisches Krippenspiel gliedert sich ungefähr so:
- Die Verkündigung: Engel Gabriel erscheint der Maria und kündigt ihr an, dass sie das Kind Gottes gebären wird. Diese Szene eröffnet das Spiel und gibt ihm seinen theologischen Rahmen.
- Die Reise nach Bethlehem: Maria und Josef machen sich auf den Weg. Diese Szene wird oft durch gemeinsames Singen begleitet und gibt auch Kindern mit kleineren Rollen Gelegenheit aufzutreten.
- Die Herbergssuche: Josef klopft an verschiedenen Türen, wird aber überall abgewiesen. Herbergswirte, die diese Absagen spielen, gehören zu den beliebtesten Nebenrollen für Kinder, die sich besonders ausdrucksstark zeigen wollen.
- Die Geburt im Stall: Maria und Josef finden Zuflucht in einem Stall. Die Geburt Jesu wird symbolisch dargestellt, meist durch eine Puppe, die in die Krippe gelegt wird.
- Die Hirten auf dem Feld: Engel verkünden den Hirten die frohe Botschaft. Die Hirten machen sich auf den Weg zur Krippe, um das Kind zu sehen.
- Die Heiligen Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar bringen ihre Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Szene bildet in vielen Gemeinden den festlichen Abschluss.
- Das gemeinsame Lied: Das Krippenspiel endet oft mit einem Weihnachtslied, das alle zusammen singen, Kinder auf der Bühne und Zuschauer im Raum.
Die Dauer variiert je nach Alter der Kinder und Größe der Gruppe. Ein Krippenspiel für Vier- bis Sechsjährige dauert selten länger als 20 bis 30 Minuten, was genau der richtigen Konzentrationsspanne dieser Altersgruppe entspricht.
Die wichtigsten Rollen und Figuren
Das Krippenspiel bietet eine überraschend große Bandbreite an Rollen, sodass in einer Kindergartengruppe tatsächlich jedes Kind einen Platz auf der Bühne finden kann. Hier ein Überblick über die klassischen Figuren:
- Maria: Die Hauptrolle des Stückes. Maria braucht kein großes Textpensum, aber ein Kind, das ruhig und präsent auf der Bühne wirken kann.
- Josef: Der treue Begleiter Marias. Josef hat oft etwas mehr Sprechtext, weil er bei der Herbergssuche aktiv wird.
- Engel Gabriel: Eine der begehrtesten Rollen, denn Gabriel hat den Auftakt und bekommt viel Aufmerksamkeit. Ein weißes Kostüm und ausgebreitete Arme genügen für einen eindrucksvollen Auftritt.
- Die Engel: Eine ganze Schar von Engeln umgibt Marias Verkündigung und die Hirtenszene. Ideal für schüchternere Kinder, die Teil der Gruppe sein wollen, ohne allein im Rampenlicht zu stehen.
- Die Hirten: Rustikale Kostüme aus Tüchern und Stöcken machen die Hirten zu beliebten Charakteren. Oft gibt es drei bis fünf Hirten, was Platz für viele Kinder schafft.
- Die Herbergswirte: Wer Nein sagen will und dabei Spaß haben darf, ist hier richtig. Diese kurzen Szenen sind oft die lustigsten Momente des Stückes.
- Die Heiligen Drei Könige: Prächtige Kostüme, Kronen und Gaben machen diese Rollen zu den visuell eindrucksvollsten. Auch hier können mehrere Kinder als Gefolge der Könige auftreten.
- Der Erzähler: Für ältere Kinder, die bereits gut lesen können, ist die Rolle des Erzählers ideal. Sie halten den roten Faden und geben dem Stück Struktur.
Kostüme selbst basteln: Tipps für Eltern
Krippenspiel-Kostüme müssen weder teuer noch aufwendig sein. Mit ein paar einfachen Mitteln lassen sich beeindruckende Verkleidungen zaubern, die den Kindern gefallen und sich in der Aufregung des Spiels auch nicht sofort auflösen.
- Maria und Josef: Ein schlichtes blaues oder braunes Tuch, mit einem Gürtel oder Seil zusammengehalten, funktioniert hervorragend. Für den Kopfschmuck genügt ein weiteres Tuch, das locker um den Kopf drapiert wird.
- Engel: Weißes Unterhemd oder weißes T-Shirt, dazu Flügel aus Karton oder Stoff, die mit einem Gummiband am Rücken befestigt werden. Ein Heiligenschein aus goldenem Draht oder einem gebogenen Schaumstoffstreifen rundet das Kostüm ab.
- Hirten: Braune oder beige Kleidung, ein grob gebundenes Tuch über der Schulter und ein Stab aus dem Garten machen jeden Hirten glaubwürdig. Schaf-Kostüme für die jüngsten Kinder können aus weißem Flauschstoff einfach genäht oder geklebt werden.
- Heilige Drei Könige: Hier darf es etwas aufwendiger sein. Goldene Pappkronen, bunte Umhänge aus alten Gardinen und selbst gebastelte Schatzkästchen aus Schuhkartons sorgen für den königlichen Auftritt.
- Sterne-Träger: Manche Krippenspiele haben eine Rolle für einen Sternträger, der den Stern von Bethlehem durch die Szene trägt. Ein Stern aus Goldpapier an einem langen Stock genügt vollkommen.
Ein praktischer Tipp: Bitte die Eltern, die Kostüme mit einfach lösbaren Verbindungen zu befestigen, also Klettverschluss statt Knöpfen, Gummibänder statt Krawatten. Kleine Hände in der Aufregung vor dem Auftritt sind nicht gut im Umgang mit komplizierten Verschlüssen.
Die schönsten Lieder für das Krippenspiel
Musik ist das Herzstück eines guten Krippenspiels. Sie gliedert die Szenen, gibt den Kindern einen gemeinsamen Moment und reißt auch die Zuschauer mit. Diese Lieder haben sich über Generationen bewährt:
- Stille Nacht, Heilige Nacht von Franz Xaver Gruber ist wohl das bekannteste Weihnachtslied der Welt. Als Abschlusslied eines Krippenspiels entfaltet es eine besondere Stille und Feierlichkeit.
- O du fröhliche passt wunderbar als Eingangslied oder als Abschluss der Hirtenszene.
- Ihr Kinderlein kommet wurde speziell für Kinder geschrieben und lädt alle ein, zur Krippe zu kommen. Textlich und melodisch ideal für das Krippenspiel.
- Es ist ein Ros entsprungen ist ein ruhiges, getragenes Lied, das sich gut für die Szene rund um die Verkündigung eignet.
- Kling, Glöckchen, klingelingeling ist fröhlicher und eignet sich gut als Überleitung zwischen zwei Szenen, besonders wenn jüngere Kinder dabei sind, die ein bewegtes Lied brauchen.
- Maria durch ein Dornwald ging erzählt selbst eine kleine Geschichte und kann die Reise von Maria und Josef musikalisch begleiten.
Viele Gemeinden ergänzen diese klassischen Lieder heute durch moderne Weihnachtslieder oder eigens für das Krippenspiel getextete Stücke. Wichtig ist, dass die Melodien für Kindergartenkinder gut singbar sind: keine zu großen Tonsprünge, ein überschaubarer Ambitus und ein klarer Rhythmus.
Krippenspiel-Text: Was macht einen guten Text aus?
Wer selbst einen Krippenspiel-Text schreiben oder aussuchen möchte, sollte ein paar grundlegende Dinge beachten. Der wichtigste Grundsatz: Der Text muss für die Kinder sprechen, nicht über sie hinweg. Kurze Sätze, klare Worte und wenig Fremdsprachen sind dabei keine Vereinfachung, sondern Respekt vor dem Alter der Darstellenden.
Ein guter Krippenspiel-Text hat folgende Merkmale:
- Klare Sätze: Kein Kind im Kindergartenalter kann sich lange Monologe merken. Repliken von ein bis drei Sätzen sind ideal.
- Verständliche Sprache: Wörter wie "Herberge" oder "Verkündigung" dürfen vorkommen, sollten aber erklärt oder im Kontext verständlich sein.
- Emotionale Momente: Gute Krippenspieltexte haben Momente der Freude, der Staunen und der Stille. Kinder spüren das und spielen dann oft besser, als man erwartet hätte.
- Raum für Improvisation: Ein Text, der ein bisschen Luft lässt, fühlt sich lebendiger an. Wenn die Herbergswirte etwas freier spielen dürfen, passieren die lustigsten und berührendsten Momente.
- Ein starkes Ende: Das Krippenspiel sollte mit einem Gefühl von Vollständigkeit enden. Oft ist das ein gemeinsames Lied oder ein einfaches, aber deutliches Schlussbild, bei dem alle Figuren um die Krippe versammelt sind.
Krippenspiel im Kindergarten vorbereiten
Die Vorbereitung eines Krippenspiels im Kindergarten ist eine schöne, aber auch herausfordernde Aufgabe für Erzieherinnen und Erzieher. Hier ein paar bewährte Hinweise, die die Proben entspannter machen:
Beginne frühzeitig, aber überfordere die Kinder nicht. Drei bis vier Wochen vor dem Auftritt reichen in der Regel aus, wenn die Proben kurz und regelmäßig sind. Täglich 15 Minuten wirken nachhaltiger als eine zweistündige Generalprobe kurz vor dem Fest.
Beziehe die Kinder in die Vorbereitung ein. Wer den Stall mitgebaut, die Sterne gemalt oder den Text mitgestaltet hat, fühlt sich dem Stück viel stärker verbunden. Solche Bastelstunden gehören zu den schönsten Erinnerungen an die Kindergartenzeit.
Gib jedem Kind das Gefühl, dass seine Rolle wichtig ist. Das gilt besonders für Kinder, die in kleineren Nebenrollen spielen. Ein Engel in der zweiten Reihe ist genauso wichtig wie Gabriel in der ersten.
Plane eine echte Generalprobe ein, aber ohne zu viel Druck. Kinder, die bei der Probe nervös sind, spielen beim echten Auftritt oft besonders gut, weil sie dann im Moment sind.
Warum das Krippenspiel bis heute so besonders ist
In einer Zeit, in der Weihnachten zunehmend von Konsum und Geschenkestress geprägt wird, erinnert das Krippenspiel an das, was das Fest ursprünglich bedeutet. Aber selbst wer keiner Konfession angehört, wird kaum kalt lassen, wenn drei Fünfjährige mit Tüchern auf dem Kopf ernsthaft und konzentriert die älteste Geschichte des Abendlandes spielen.
Das Krippenspiel hat eine Qualität, die in der modernen Unterhaltungswelt selten geworden ist: Es ist echt. Nichts ist perfekt. Texte werden vergessen, Kostüme rutschen und manchmal dreht sich ein Kind zur falschen Seite. Aber genau darin liegt die Magie. Es ist Ausdruck von Hingabe, Gemeinschaft und kindlicher Ernsthaftigkeit, die jeden im Raum berührt.
Für die Kinder selbst ist das Krippenspiel oft eine erste Bühnenerfahrung, die zeigt: Ich kann etwas darstellen. Meine Stimme trägt. Ich gehöre dazu. Das sind Erlebnisse, die tief verankert bleiben, auch wenn die Erinnerung an den genauen Text längst verblasst ist.
Häufige Fragen rund ums Krippenspiel
Ab welchem Alter können Kinder am Krippenspiel teilnehmen?
Die meisten Krippenspiele in Kindergärten richten sich an Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Für Dreijährige sind Rollen ohne oder mit sehr kurzem Text ideal, zum Beispiel als Engel in der Gruppe. Ältere Kinder ab vier oder fünf Jahren können bereits einfache Repliken übernehmen.
Muss das Krippenspiel immer in einer Kirche stattfinden?
Nein. Viele Kindergärten führen ihr Krippenspiel im eigenen Gruppenraum oder in einer Turnhalle auf. Das Krippenspiel ist nicht an einen kirchlichen Rahmen gebunden, auch wenn es seinen Ursprung in der Kirche hat.
Wie lang sollte ein Krippenspiel für Kindergartenkinder dauern?
Als Faustregel gilt: 20 bis 30 Minuten sind für kleine Kinder die ideale Länge. Länger wird es anstrengend, sowohl für die Kinder auf der Bühne als auch für die kleinen Zuschauer.
Was tun, wenn ein Kind kurz vor dem Auftritt Angst bekommt?
Das passiert häufiger, als man denkt. Bleib ruhig und stelle keinen Druck auf. Oft hilft es, dem Kind eine kleinere oder stumme Aufgabe anzubieten, damit es trotzdem dabei sein kann, ohne im Mittelpunkt zu stehen. Lampenfieber ist ganz normal und oft der erste Schritt zu einem unvergesslichen Auftritt.
Gibt es Krippenspiele, die nicht religiös ausgerichtet sind?
Ja. Es gibt moderne Versionen der Weihnachtsgeschichte, die die Grundwerte der Geschichte, Güte, Gastfreundschaft, Gemeinschaft, hervorheben, ohne explizit religiöse Aussagen in den Vordergrund zu stellen. Diese eignen sich gut für Einrichtungen mit Kindern unterschiedlicher Konfessionen oder ohne religiösen Hintergrund.
Krippenspiel als Video
Video: Krippenspiel 2022 der Gemeinden Bingum, Holtgaste und Pogum