Schenk mir einen Schokoladenmann
Lieber, guter Weihnachtsmann
Autor: unbekannt
Schenk mir einen Schokoladenmann.
Nicht so groß und nicht so klein,
Aber niedlich soll er sein.
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Moral und Werte
- Realitätsbezug oder Eskapismus?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Dieses kurze, prägnante Gedicht fängt die unmittelbare und unverfälschte Freude eines Kindes in der Weihnachtszeit ein. Es wirkt charmant und herzerwärmend, weil es einen universellen Kindheitswunsch in eine einfache, einprägsame Bitte verpackt. Die Wirkung entsteht aus der Kombination von kindlicher Direktheit und einer fast schon verhandelnden Präzision, die Erwachsene schmunzeln lässt und bei Kindern ein Gefühl des Verstandenwerdens erzeugt.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht besteht aus nur vier Zeilen, die jedoch eine klare narrative Struktur aufweisen. Die erste Strophe ist die direkte Ansprache an eine mythische Figur, den "lieben, guten Weihnachtsmann". Diese Anrede etabliert sofort das vertrauensvolle Verhältnis und die magische Erwartungshaltung. Der Wunsch selbst – ein "Schokoladenmann" – ist kein materiell wertvolles Geschenk, sondern ein Genussmittel in einer spielerischen Form. Er steht für pure, sinnliche Freude.
Die zweite Strophe ist bemerkenswert detailliert. Das Kind hat ein sehr genaues Bild von seinem Wunsch: "Nicht so groß und nicht so klein" zeigt ein kindliches Streben nach der perfekten, handhabbaren Mitte. Es ist eine Bitte um Maß und Angemessenheit. Die abschließende Forderung "Aber niedlich soll er sein" verlagert den Fokus vom reinen Konsum auf einen emotionalen Wert. Das Kind wünscht sich nicht irgendeine Schokolade, sondern eine, die durch ihre Form Zuneigung und Niedlichkeit ausstrahlt. Hier verschmelzen der Wunsch zu essen und der Wunsch, ein kleines "Wesen" zu besitzen, auf typisch kindliche Weise.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine Stimmung von behaglicher Vorfreude und heiterer Bescheidenheit. Es ist frei von jeglicher Gier oder maßlosen Forderungen. Stattdessen herrscht eine konzentrierte, fast andächtige Hoffnung auf ein kleines, perfektes Geschenk vor. Die Atmosphäre ist leicht, verspielt und von einer warmen Innigkeit geprägt, die den Zauber der Adventszeit für die Jüngsten perfekt widerspiegelt. Es ist eine Stimmung, die Erinnerungen an die eigene Kindheit weckt und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Moral und Werte
Das Gedicht vermittelt auf subtile Weise Werte, die gut zur Weihnachtsbotschaft passen. Es geht nicht um teure oder ausgefallene Wünsche, sondern um die Freude an kleinen, besonderen Dingen. Die Präzision der Bitte ("nicht so groß und nicht so klein") kann als Wert für Bescheidenheit und Genügsamkeit interpretiert werden. Gleichzeitig zeigt die Betonung von "niedlich" ein kindliches Verständnis für Ästhetik und Zuneigung. Der respektvolle Ton ("Lieber, guter...") unterstreicht zudem Höflichkeit und Dankbarkeit gegenüber dem Schenkenden. Es sind die einfachen, herzlichen Werte im Kleinen.
Realitätsbezug oder Eskapismus?
Dieses Gedicht stellt eine Form des behüteten Eskapismus dar. Es blendet bewusst alle Probleme der Welt aus und erschafft eine heile, in sich geschlossene Mikrowelt, in der der größte Wunsch ein Schokoladenmann ist. Das ist jedoch keine Schwäche, sondern genau seine Stärke und Funktion. Es bietet einen geschützten Raum für kindliche Phantasie und ungetrübte Vorfreude. In einer komplexen Welt bewahrt es die kindliche Fähigkeit, sich über eine kleine, süße Sache uneingeschränkt zu freuen. Es thematisiert keine Brüche, sondern feiert die intakte Magie des Glaubens an den Weihnachtsmann.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht ist vielseitig einsetzbar. Perfekt ist es für den Einsatz im familiären Kreis, etwa beim gemeinsamen Plätzchenbacken, beim Schmücken des Baumes oder als kleines Ritual am Nikolausabend. In der Kita, im Kindergarten oder in der Grundschule eignet es sich hervorragend für kleine Weihnachtsfeiern, zum Einüben für einen Vortrag oder als Einstieg in eine Bastelstunde (z.B. Schokoladenmänner verzieren). Auch auf selbstgemachten Weihnachtskarten oder als Begleittext zu einem kleinen Geschenk kommt es wunderbar zur Geltung.
Zielgruppe und Alter
Primär spricht das Gedicht Kinder im Kindergarten- und frühen Grundschulalter (etwa 3 bis 8 Jahre) an. Diese Altersgruppe identifiziert sich direkt mit der einfachen, bildhaften Sprache und dem konkreten Wunsch. Sekundär erreicht es aber auch Erwachsene, insbesondere Eltern, Großeltern und Erzieher, die es vorlesen oder vortragen. Für sie wirkt es als nostalgischer Spiegel und als Ausdruck kindlicher Unschuld.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für formelle oder sehr große Weihnachtsveranstaltungen, wo ein längerer oder thematisch gewichtigerer Text erwartet wird. Auch für ältere Kinder oder Jugendliche, die sich bereits von der Figur des Weihnachtsmanns distanzieren, könnte es als "zu kindlich" empfunden werden. Sein Charme entfaltet sich vollständig nur in einem Setting, das der kindlichen Perspektive und der familiären Geborgenheit Raum gibt.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem normalen, betonten und liebevollen Vortrag mit kleinen Pausen zwischen den Strophen dauert der Vortrag des Gedichts etwa 15 bis 20 Sekunden. Wenn man es als wiederholendes Element oder mit viel theatralischer Ausschmückung und Interaktion vorträgt, kann man es natürlich auf bis zu eine Minute ausdehnen.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Stimme und Betonung: Sprich die erste Zeile mit ehrfürchtiger, leiser Stimme, als würde man ein Geheimnis verraten. Bei "Schokoladenmann" kann die Stimme ein kleines bisschen freudiger werden. In der zweiten Strophe betone die Gegensätze "groß" (tiefere Stimme) und "klein" (höhere Stimme) spielerisch. Das Wort "niedlich" sollte mit einer zärtlichen, fast kuscheligen Tonlage gesprochen werden.
Gestik und Requisiten: Der Vortragende kann sich imaginär einen langen weißen Bart vor das Kinn halten. Ein echter oder selbstgebastelter Schokoladenmann als Requisite ist ein fantastischer Blickfang. Während des Vortrags kann man ihn versteckt halten und am Ende triumphierend präsentieren.
Interaktion mit Kindern: Lasse die Kinder die letzte Zeile "Aber niedlich soll er sein!" gemeinsam sprechen. Du kannst sie vorher fragen: "Und wie soll er denn sein?". Eine weitere schöne Idee ist, vor dem Vortrag mit den Kindern zu überlegen, was der Weihnachtsmann alles so liebt (Kekse, Milch, Rentierfutter) und dann mit dem Gedicht den eigenen Wunsch daran anzuhängen.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du den puren, unverstellten Zauber der Weihnachtszeit für die Kleinsten einfangen möchtest. Es ist das ideale Stück für den 6. Dezember (Nikolaus), um die Wunschliste zu ergänzen, oder für den Heiligabend als letzte, liebevolle Erinnerung an den Weihnachtsmann, kurz bevor die Geschenke ausgepackt werden. Nutze es in Situationen, die Vertrautheit und Gemütlichkeit ausstrahlen, wo sein schlichter Charme voll zur Geltung kommt. Es ist weniger ein großes Bühnenstück, sondern vielmehr ein kostbares, kleines Ritual im Kreise derer, die noch an die Magie glauben – oder sich gerne daran erinnern.
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